Lieben heisst verletzlich sein

"Zu lieben bedeutet, sich verletzlich zu machen. Lieben Sie irgendetwas, und Sie werden feststellen, dass Ihr Herz Schmerz empfindet, wenn nicht sogar gebrochen wird. Wenn Ihr Herz intakt bleiben soll, dann sollten Sie es an nichts und niemanden verschenken, nicht einmal an ein Tier. 

Packen Sie es sorgfältig ein in Hobbies und kleine Annehmlichkeiten. Vermeiden Sie alle Beziehungen. Sperren Sie es sicher ein in den Sarg Ihrer Selbstsucht. 

Aber in diesem Sarg - sicher, dunkel, starr, luftdicht - wird es sich verändern. Es wird nicht gebrochen; es wird vielmehr verhärtet, undurchdringlich, rettungslos verloren. Die Alternative zur Tragödie, oder zumindest zum Risiko der Tragödie, ist die Verdammnis. Der einzige Ort ausserhalb des Himmels, an dem sie absolut sicher vor all den Gefahren und beunruhigenden Begleiterscheinungen der Liebe sind, ist die Hölle."

 

C. S. Lewis, aus dem Buch: "Was man Liebe nennt" 

 

Hier das gleiche als Youtube-Video (super-süß!):

https://www.youtube.com/watch?v=fvAEtPwXtxY

Auseinander leben

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten

(und man darf sagen sie kannten sich gut),

kam ihre Liebe plötzlich abhanden.

Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

 

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,

versuchten Küsse, als ob nichts sei,

und sahen sich an und wussten nicht weiter.

Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

 

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.

Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier

und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.

Nebenan übte ein Mensch Klavier.

 

Sie gingen ins kleinste Café am Ort

und rührten in ihren Tassen.

Am Abend sassen sie immer noch dort.

Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort

und konnten es einfach nicht fassen.

 

Erich Kästner

Einsamkeit

Im Nebel


Seltsam, im Nebel zu wandern!

Einsam ist jeder Busch und Stein,

Kein Baum sieht den andern,

Jeder ist allein.


Voll von Freunden war mir die Welt,

Als noch mein Leben licht war;

Nun, da der Nebel fällt,

Ist keiner mehr sichtbar.


Wahrlich, keiner ist weise,

Der nicht das Dunkel kennt,

Das unentrinnbar und leise

Von allen ihn trennt.


Seltsam, Im Nebel zu wandern!

Leben ist Einsamsein.

Kein Mensch kennt den andern,

Jeder ist allein.


Hermann Hesse